Mittwoch, 7. Januar 2009

News

präsentiert von: Entwickler Magazin
Montag, 6. Oktober 2008

KW 41/08 - Standpunkt Sicherheit

Die Datenschutzskandale bei der Telekom sind das Thema dieses Standpunkt Sicherheit. Welche Skandale? Den mit den 17 Millionen Kundendaten und den mit den Einzelverbindungsnachweisen der Aufsichtsräte. Vielleicht sollte man dafür mal eindeutige Bezeichner einführen, damit man bei den ganzen Datenschutzverstößen der Telekom nicht die Übersicht verliert.

Kopiert, nicht gestohlen!

Der Telekom wurden die Handynummern und Adressen von 17 Millionen Kunden gestohlen. Das ergibt schöne Überschriften, ist aber in der Form ziemlich falsch. Erst mal wurden die Daten nicht gestohlen, sondern kopiert. Oder sind sie etwa weg? Nicht? Na also, dann wurden sie auch nicht gestohlen. Dann waren es bestimmt nicht 17 Millionen geheime Daten, denn da muss man doch wohl die Datensätze abziehen, die auch im Telefonbuch stehen. Die waren vorher schon öffentlich, ob sich jemand die als Datei von der Telekom kopiert, eine Telefonbuch-CD kauft oder sie sich in Asien aus Telefonbüchern abtippen lässt macht keinen Unterschied. Ich weiß nicht, wie viele der Datensätze nun wirklich geheim waren, es dürften aber auf jedem Fall weniger als die angegebenen 17 Millionen sein. Aber mit 17 Millionen gestohlenen Datensätzen in der Überschrift verkauft sich die Zeitung sicher besser als mit einer kleineren Zahl. Da auch die Telefonnummern von Prominenten "gestohlen" wurden, sind die nun angeblich bedroht. Wieso? Welche Gefahr entsteht, wenn jemand deren Telefonnummer kennt? Telefonspam? Telefonterror? Das sollte sich durch eine neue Nummer erledigen lassen. Das ist unbequem, aber nicht gefährlich.

Straftat 2006, Skandal 2008

Außerdem, und das finde ich persönlich viel schlimmer als die Anzahl der kopierten Daten, sind diese Daten seit 2006 im Umlauf. Erst mal relativiert das die 17 Millionen Datensätze weiter, schließlich wirbt die Telekom doch selbst damit, das sich in jedem neuen Telefonbuch 1/3 der Einträge geändert hat. Demnach sind auch von den kopierten 17 Millionen Datensätzen mindestens 1/3 nicht mehr aktuell. Was in der Entrüstung über die "geklauten" 17 Millionen Datensätze einschließlich denen von Günter Jauch (macht es das besonders schlimm? Bei Jauch und Telefon fällt mir immer zuerst der Klassenlotterie-Telefonspam ein: "Kennen Sie Günter Jauch?") ziemlich untergeht: Es gab staatsanwaltliche Ermittlungen, und die gestohlenen Daten wurden sichergestellt. Da fallen mir spontan 3 Dinge zu ein: Erstens kann man "gestohlene Daten" nicht "sicherstellen". Man kann einen Datenträger mit kopierten Daten sicherstellen, mehr nicht. Ob und wie viele weitere Kopien es davon gibt, kann man nicht feststellen. Zweitens gab es staatsanwaltliche Ermittlungen – vor 2 Jahren, und erst jetzt macht man sich Gedanken darüber, ob Prominente, darunter ehemalige Bundespräsidenten (viele lebendige gibt es ja nicht mehr) evtl. gefährdet sind? Na, da kann ich nur sagen: "Guten Morgen!". Wer hat denn da gepennt? Warum wurden im Rahmen der staatsanwaltlichen Ermittlungen nicht die betroffenen Prominenten bzw. im Falle der Politiker die für deren Schutz zuständigen Dienststellen informiert, wenn man die doch gefährdet sieht? Drittens: Warum wurde damals die Öffentlichkeit nicht informiert? Das dürfte die einzige Frage sein, die sich leicht beantworten lässt: Weil man das Ganze unter den Teppich kehren wollte. Ruft bitte mal jemand eine Putzkolonne, da liegt bestimmt noch mehr Dreck unterm Teppich?

Entdeckung im Mai, Skandal im Oktober

Kaum habe ich das geschrieben, da kommt schon der nächste Skandal: Die Telekom hat jahrelang die Einzelverbindungsnachweise ihrer Aufsichtsräte gesammelt, aber nicht ausgewertet. Eigentlich ist das doch nichts anderes, als was jetzt bei der Vorratsdatenspeicherung für alle Kunden zwangsweise gemacht wird - wozu also die Aufregung? Viel schlimmer finde ich auch in diesem Fall, das eine Entdeckung aus dem Mai erst jetzt öffentlich bekannt wird. Wie viel Dreck haben die wohl noch unterm Teppich versteckt? War nicht im Mai von Aufklärung die Rede? Keine Ahnung, wen oder was die da aufgeklärt haben, aber die Öffentlichkeit im Hinblick auf den Datenschutz bei der Telekom bestimmt nicht. Aufklärung – nicht mit Biene und Blumen, sondern mit Verbrechern und Daten. Ob das mal ein neues Schulfach wird? Nötig wäre es ja wohl.

Fuchs im Hühnerhof - Datenschutz im Parlament

Die neuen alten Datenschutzverstöße scheuchen natürlich wieder die Politiker auf, die jetzt wie Hühner im Hühnerhof wild gackernd mit neuen Ideen herum rennen. Komisch, hatten wir das nicht gerade erst? Der im August bekannt gewordene schwunghafte Handel mit Unternehmens- und Meldedaten scheint schon wieder vergessen worden zu sein. Erinnert sich noch irgendwer an den Datenschutzgipfel beim Bundesinnenminister? So eine Sauerei, da fing gerade das Gras an, über die Sache zu wachsen, und dann reißt wieder wer den Teppich hoch, unter dem die ganzen Jahre der ganze Dreck gekehrt wurde. Da werden die Damen und Herren Politiker sich wohl ein paar neue Beruhigungspillen fürs Wahlvolk ausdenken müssen. Oder sollte sich jetzt doch endlich mal was beim Datenschutz tun? Das Thema hatten wir ja schon, daher: GOTO Standpunkt Sicherheit vom 25. August!

Carsten Eilers

Kommentare

Gravatar Bernd 06.10.2008
um 11:23 Uhr
Leider begeht der Autor dieses Artikels selber einem allgemein verbreiteten Fehler:
"Der Telekom wurden die Handynummern und Adressen von 17 Millionen Kunden gestohlen. Das ergibt schöne Überschriften, ist aber in der Form ziemlich falsch."

Diese Aussage des Autors ist in dieser Form ziemlich falsch. Siehe dazu § 242 Abs. 1 StGB:
"Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft."

Im Zusammenhang mit der Aussage des Artikel - kopiert, nicht gestohlen - ist aus dieser Definition des Diebstahls folgendes Wort von Bedeutung: Wehnahme und damit in direktem Zusammenhang der Begriff des Gewahrsams.

Wegnahme bedeutet: den Bruch fremden und die Begründung neuen (nicht notwendigerweise tätereigenen) Gewahrsams.

Gewarhsam heisst:
a) die tatsächliche Sachherrschaft einer natürlichen Person über eine Sache.
b) Gewahrsam die sozial-normative Zuordnung einer Sache zur Herrschaftssphäre einer Person.

b) ist im Zusammenhang der Diskussion um Datendiebstahl von wesentlicher Bedeutung.

Man kann im Falle des unberechtigten Kopierens von Daten im juristischen Sinne sehr wohl von (Daten)Diebstahl sprechen: Die unberechtigt kopierten Daten werden aus der Herrschaftssphäre einer (juristischen) Person entfernt, das ist Diebstahl.

Nichts für Ungut, Grüße
Bernd
#zitieren
Gravatar Carsten Eilers 06.10.2008
um 13:04 Uhr
Hallo, war für den "Datendiebstahl" nicht extra der § 202a, Ausspähen von Daten, eingeführt worden, weil die Anwendung der Diebstahl-Definition auf ziemlich wackligen Beinen steht?

MfG
Carsten Eilers
#zitieren
Gravatar Bernd 06.10.2008
um 14:56 Uhr
Hallo Herr Eilers,
in der Tat liegen Sie damit richtig. §202a betrifft das Ausspähen von Daten bzw. das "unberechtigten Zugang verschaffen". Dies ist ebenfalls ein Straftatbestand.
Nun sind im vorliegenden Fall Daten kopiert und nicht nur "ausgespäht" worden. Dies ist ein weitreichenderer Straftatbestand. Hier wird ebenfalls §202b, Abfangen von Daten, zum Tragen kommen. §202b enhält aber den Zusatz "wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wenn die Tat nicht in anderen Vorschriften mit schwererer Strafe bedroht ist.". Hier kommt nun wieder der von Ihnen als "auf wackeligen Beinen" stehende §242 zum tragen. Zu klären gilt weiterhin im Einzelfall, ob es sich um (Daten)Diebstahl handelt oder nicht.
Die Aussage "unberechtigtes Kopieren von Daten" ist kein Diebstahl sehe ich nicht belegt.

Mfg
Bernd
#zitieren
dot.net Code Camp C# 3.5

Konferenzen

BASTA! Spring 2009

BASTA! Spring 2009

23.-27. Februar 2009
Maritim Rhein-Main Hotel Wissenschaftsstadt Darmstadt

Entwicklertage 2009

Entwicklertage 2009

23.-27. Februar 2009
Darmstadt

BASTA! Italia 2009

BASTA! Italia 2009

16.-18. März 2009
Holiday Inn EUR Parco dei Medici, Roma

PHPCon Italia 2009

PHPCon Italia 2009

18.-20. März 2009
Holiday Inn EUR Parco dei Medici, Roma

JAX 09

JAX 09

20.-24. April 2009
Rheingoldhalle Mainz

Eclipse Forum Europe 09

Eclipse Forum Europe 09

20.-24. April 2009
Rheingoldhalle Mainz

webinale 09

webinale 09

25.-27. Mai 2009
Berlin

Werbung
Top-Jobs

Software & Support Verlag GmbH

Lektor (m/w), Vollzeit

Endress+Hauser GmbH+Co. KG

Entwickler Datenbanksysteme (m/w)

Signsoft GmbH

Java-Entwickler (m/w)

Software & Support Verlag GmbH

Volontär (w/m) Redaktion, Vollzeit

Software & Support Verlag GmbH

Redakteur (m/w), Vollzeit
JAX 09

Magazine

Entwickler Magazin - Enterprise Technologies & Business Solutions

Entwickler Magazin

Enterprise Technologies & Business Solutions

dot.net magazin - die unabhängige Quelle für .NET-Technologien

dot.net magazin

Die Quelle für .NET-Technologien

Eclipse Magazin

Eclipse Magazin

Weltweit erstes Magazin für Eclipse-Entwickler

Java Magazin - Internet & Enterprise Technology

Java Magazin

Internet & Enterprise Technology

Ruby on Rails

RailsWay Magazin

Ruby on Rails

CREATE OR DIE - Ein Leben für die Kreativität

CREATE OR DIE

Ein Leben für die Kreativität

Business Technology - Management Magazin

Business Technology

Management Magazin

PHP Magazin - Professional PHP Development

PHP Magazin

Professional PHP Development

Bücher


hosted by HostEurope