Dienstag, 6. Januar 2009

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The Definitive Guide to Linux Network Programming

DEN Klassiker der Netzwerk-Programmierung hat der viel zu früh verstorbene W. Richard Stevens verfasst ("Unix Network Programming", Addison Wesley). Und: Bisher hat kein anderer Autor an diese Arbeit anknüpfen können; das gilt sowohl für die Exaktheit als auch für die Ausführlichkeit der Darstellung. Das heißt weiterhin, dass es logischerweise Nachfolger sehr schwer haben werden. Soviel muss der Fairness halber gesagt werden. Wer nun schon einen solchen Titel (siehe Buchtitel oben) wählt, der muss auch etwas zu bieten haben. Leider kann man das vom vorliegenden Buch, beziehungsweise deren Autoren, wirklich nur ansatzweise behaupten. Das dreiköpfige Team hat versucht, viele Facetten der Netzwerkentwicklung unter einen Hut zu bringen. Im ersten Kapitel werden Netzwerkgrundlagen in der allgemeinsten Form wiederholt (Was ist Ethernet? Wie arbeitet TCP/IP? Client-Server-Modell etc.). Im zweiten Kapitel wird der Leser mit den Socket-Basics (auf TCP-Basis) vertraut gemacht. Es folgen einfache Beispiele für die Verwendung derselben. Anschließend kommt UDP (User Datagram Protocol) an die Reihe; auch hier wird nach dem gleichem Strickmuster vorgegangen. Der zweite Teil des Buches widmet sich fortgeschrittenen Themen wie Multiplexing, Forking und Multithreading. Dazu sieht man ebenfalls einige Beispiele. Interessanter ist mit Sicherheit Kapitel Nummer Sechs: Hier erfährt man, wie eigene Protokolle entwickelt werden. In der Folge werden unter anderem Design-Entscheidungen für eigene Anwendungen diskutiert. Also: Welchem Protokoll gibt man in welcher konkreten Situation den Vorzug etc. Besonders hilfreich ist zudem der Inhalt des achten Kapitels: Der Leser erfährt Wissenswertes über Debugging-Techniken und über den typischen Entwicklungszyklus bei der Erstellung von Netzwerkapplikationen. Last, but not least gehen die Autoren das obligatorische Thema Sicherheit an. Leider beschränkt sich der Text wieder nur auf eine skizzenhafte Darstellung und schwer nachvollziehbaren Beispielen (mit OpenSSL). Interessanter wäre zum Beispiel eine nähere Betrachtung von IPSec gewesen.
Fazit: Das Buch überzeugt nicht, weder inhaltlich noch vom Umfang und der Gestaltung. Zwar findet der Leser etliche Listings und auch Abbildungen (in einfachster Form). Die Frage ist aber, wer das wirklich braucht? Es handelt sich bei den meisten Code-Schnipseln einmal mehr um die typischen Dummy-Beispiele ("Wie schreibe ich einen Server?" usw.). Das findet man bereits in jedem besseren Internet-Tutorial – oft besser erklärt. Ärgerlich ist außerdem die Tatsache, dass im Text mitunter von C-Code auf C++ umgestellt wird (der Leser sollte wenigstens in Grundzügen mit beiden Sprachen vertraut sein; dabei ist das Socket-API eine C-Schnittstelle). Wer in der Tat eine profunde Darstellung wünscht, investiert besser in das Standardwerk von Stevens. Sie werden es nicht bereuen, wenngleich die Lernkurve steiler ist (gut Ding will eben Weile haben).

Thomas Kaufmann


Autor/in: Keir Davis, John W. Turner, Nathan Yocom
Verlag: Apress
Seitenzahl: 361
Erscheinungsjahr: 2004
Preis: 49,99 $
ISBN: 1-59059-322-7



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